Der ehemalige Mauerstreifen an der Bernauer/Ecke Oderberger Straße nennt sich heute Mauerpark und ist mit wenigen Schritten nicht nur schnell von
der Kastanienallee zu erreichen, sondern die Grüne Oase für das Szeneviertel um die Schönhauser Allee. Alljährlich wird im Mauerpark die Fete du
Mauerpark veranstaltet. Hier trifft man sich, jongliert zur Freude der Anderen, musiziert gemeinsam und lernt Menschen verschiedenster Herkunft
kennen. Auch jährlich zum 30. April wird die Walpurgisnacht mit Lagerfeuern und Kunstdarbietungen begangen. Ebenso bekannt, der Flohmarkt am
Mauerpark - Mauersegler. Schon in jedem Stadtführer vermerkt bietet der Flohmarkt neben seiner gartenlaubenartigen Stimmung auf dem angrenzenden
Gewerbehof genug Material aus vergangenen Zeiten. Zwischen den Ständen klingen Hare Krishna Lieder, ein junger Mann läuft mit einem Schild um den
Hals herum, auf dem er einen Gitarristen sucht und man sieht viele junge Menschen, die wahrscheinlich nach schönen Dingen für ihre WG oder
Studentenbude suchen.
Auf den Wiesen des Mauerparks tollen Kinder herum, Aktionskünstler zeigen ihre Kunststücke und eine Gruppe von Menschen lauschen den
Trommelschlägen der Percussioninstrumente. Hin und wieder sieht man in Bücher vertiefte Menschen sitzen, auf dem alten "Verlorenen Weg"
wird geradelt und flaniert und auf einer Anhöhe kann man nicht nur über die Dächer des Weddings schauen, sondern betrachtet die Kreationen von
Graffiti's an der grenzenden Mauer zum Cantianstadion. Die Kleinen nutzen mit Ihren Eltern den eigens angelegten Spielplatz und die Großen treffen
sich nebenan zum Boulespielen. Will man unter sich sein oder mal kurz verweilen, dann führt hierfür der Weg in das Birkenwäldchen auf dem ehemaligen
Bahndamm. Zu einem der beliebtesten Grünzüge des Ostteils der Stadt Berlin entwickelte sich der Mauerpark.
Die Geschichte des Mauerparks beginnen wir mit dem Jahr 1877, als auf dem heutigen Gelände des Mauerparks an der Schwedter Straße der
Güterbahnhof für die Nordbahn (Alter Nordbahnhof) aufgeschüttet wurde. Als Kopfbahnhof gebaut fuhren hier nicht nur Güterzüge sondern auch
Personenzüge in Richtung Ostsee ab. Gegenüber der Einmündung Schwedter/Ecke Oderberger Straße befand sich das Empfangsgebäude des Bahnhofs. Im
gleichen Jahrhundert wurde der Personenverkehr in den weiter westlich liegenden Stettiner Bahnhof verlegt und der "Alte Nordbahnhof" nur
noch als Güterumschlagplatz genutzt. Nach Umbenennung des Stettiner Bahnhof in Nordbahnhof wurde der Alte Nordbahnhof 1950 in Güterbahnhof
Eberswalder Straße umbenannt. Dieser wurde noch bis zum Mauerbau als Umschlagplatz genutzt und fiel den politischen Ereignissen zum Opfer. An der
Stelle des Alten Nordbahnhof trennte sich die Sektorengrenze zwischen den französischen und den sowjetischen Besatzern. Während der Bahnhof noch zum
Wedding gehörte, lag die Schwedter Straße (Verlorener Weg) im Ostsektor. Von der Bernauer Straße kommend knickte der Mauerbau am Dreieck
Eberswalder/Oderberger/Schwedter Straße ab und führte ihren Weg weiter am Falkplatz vorbei die Schwedter Straße entlang. Alle Gebäude dessen Türen
und Fenster gen Westen zeigten wurden zu zugemauert und waren 28 Jahre Sperrgebiet. Auf der Westseite stand am Kreuzungsdreieck, wo die Mauer knickte
ein Aussichtsturm für Westberliner und Besucher. Sie konnten von dort aus auf das Ostberliner Geschehen blicken und so einen Blick jenseits der
Freiheit werfen.
Mit dem politischen Aus der DDR und der daraus resultierenden Wiedervereinigung beider deutscher Staaten war auch die Berliner Mauer überflüssig
geworden. Nach dessen Abriss nutzten viele Berliner den ehemaligen Todesstreifen, der erst karg lag, für Spaziergänge und Radtouren. Zwischen
Wachtürmen und Mauerresten lagen die ersten Sonnenhungrigen auf dem frischen Grün im ehemaligen Mauerstreifen oder nutzten diesen, um auf einst
verbotenen Pfaden zu flanieren. Große Zustimmung fand das Projekt, aus dem ehemaligen Grenzstreifen einen grünen Gürtel zu machen, so dass der
Nachwelt immer vor Augen geführt werden kann wo einst die innerdeutsche Grenze verlief. Mit einer Spende aus der Umweltstiftung ausgestattet wurde
vom Land Berlin 1992 beschlossen, das Teilstück des alten Güterbahnhofs neu zu gestalten. Hierfür wurde der Landschaftsarchitekt Lange aus Hamburg
mit der Planung beauftragt und schon zwei Jahre später wurde das Projekt abgeschlossen. Somit hatte der grünflächenarme Prenzlauer Berg eine
Parkanlage mehr.
Zu Auseinandersetzungen kam es stetig mit der Immobiliengesellschaft Vivico Real Estate. Die große Freifläche zwischen dem Mauerpark und dem
Bezirk Wedding sollte schon längere Zeit in die Parknutzung des Mauerparks übergehen, aber der Immobilienpoker in dem lukrativen Gebiet setzte sich
stets diesem Vorhaben entgegen. Mit einer gemeinschaftlichen Aktion von Bürgerinitiativen, Umweltverbänden und Politikern startete man eine so
genannte "Landnahme" und pflanzte 2006 unter der Losung "Das ist unser Park" auf der leer stehenden Erweiterungsfläche Bäume.
Gemäß der Stiftungsvereinbarung muss der Senat bis 2010 zehn ha Park fertig stellen. Die Immobiliengesellschaft pokert bei dem Zugzwang des Senats
hoch und fordert horrende Summen für das Erweiterungsgebiet.
Ein weiterer Punkt ist der Gleimtunnel, der den Mauerpark in einen nördlichen und den südlichen Teil verbindet. Östlich liegt das Gleimviertel
und westlich das zum Gesundbrunnen gehörende Brunnenviertel. Dieser Tunnel ist Teil der ehemaligen Eisenbahnüberführung und verbindet die Stadtteile
Wedding und Prenzlauer Berg. Durchschreitet man das Birkenwäldchen stößt man nun nicht mehr auf ein Hindernis in Höhe des Gleimtunnels. Um den
dahinter liegenden Moritzhof zu erreichen musste man früher zurück zum Spielplatz und weiter über die Schwedter Straße sowie der viel befahrenden
Gleimstraße. Der Eigentümer, die Deutsche Bahn hatte den denkmalgeschützten Tunnel gesperrt und wollte dessen Betreten durch die Parknutzer
verhindern. Mit einem eigens entwickelten "Gleimsteg" haben die Freunde des Mauerparks e. V. der starren Haltung entgegengewirkt.
Im Oktober des Jahres 2009 gab sich der Leadsänger Robbie Williams der englischen Popband Take That am Mauerpark (Falkplatz, vor der Max
Schmelinghalle) die Ehre. Nicht ohne Grund wurde die Location gewählt, liegt doch der Mauerpark gleich nebenan und zählt in Berlin neben dem
Brandenburger Tor zu den markantesten Orten der Stadt, die weltweite Bekanntheit errungen. Um Promotion für seine anstehende Tour zu machen lud
Robbie Williams zu einem Gratiskonzert ein, welches unter freien Himmel und für jedermann zugänglich vor der Max Schmeling Halle stattfand. Über
zehntausend Besucher meist weibliche Fans sangen mit ihm trotz Nieselregen die alten Hits und auch Stücke aus seiner neuen Tour "Reality Killed
the Video Star". Obwohl er nur fünf Stücke spielen wollte beglückte er seine Fans mit insgesamt sieben Titeln. Schon am frühen Morgen belagerten
die ersten Fans die Bühne, wo Robbie Williams am Nachmittag um 16:00 Uhr spielen wollte.
Nach 20 Jahren Mauerfall ist der Mauerpark noch immer nicht fertig gestellt worden. Schließlich flossen Stiftungsgelder, die mit einer Auflage
verbunden war und die durch politisches Nichthandeln immer noch nicht erfüllt wurde. Am 14. November 2009 folgten rund 1500 Teilnehmer dem Aufruf
der Piratenpartei und der Initiative "Mauerpark fertig stellen" zur Demonstration "Mauerpark is our Park". Grund war der
vorgestellte Entwurf des Baustadtrates Ephraim Gothe aus Mitte Teile des Mauerparks bebauen zu lassen. Dieser Teil wird heute von der beliebten
Restauration "Mauersegler" und dem sonntäglichen Flohmarkt genutzt. Nun soll der Mauerpark zugunsten von teuren Eigentumswohnun-gen der
neuen Chici Miki Gesellschaft am Prenzlauer Berg verkleinert werden und den tausenden von täglichen Nutzern des Parks die Grundlage für
Veranstaltungen genommen werden. Sechs bis siebenstöckige Lofts sollen die neue soziale Grenze zum eher armen Bezirk Wedding und dem neureichen
Prenzlauer Berg bilden. Die Folge! Weitere Verdrängung der typischen Prenzlberger mit ihrer kreativen Vielfalt und klein Stuttgart wächst weiter.
Der Baustadtrat von Mitte will mit seinem Vorhaben anscheinend erreichen, auch etwas vom fetten Kuchen der gehobenen Gesellschaft, die sich im
benachbarten Prenzlauer Berg befindet einzustreichen. Das umstrittene Grundstück liegt im Weddinger Stadtteil und grenzt an der Bernauer Straße. Der
Mauerpark sollte eine Stätte der Begegnung zwischen den ehemalig getrennten Stadtteilen sein und die Bebauung nicht als neue Mauer an der Bernauer
Straße stehen. Vielleicht folgt ein neuer Bürgermeister dem Beispiel vom damaligen Pankow, wo vor einhundert Jahren Wilhelm Kuhr den heutigen
Bürgerpark (Killisch Horn Anwesen) vor der Bebauung von Wohnungsbauspekulanten rettete und der Park in seiner einzigartigen Schönheit erhalten blieb.